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Dienstag, 13. Dezember 2011

Auf einen Whisky (5. Folge)

Über die Relevanz der Schweizer Illustrierten

Franky Armee und Mad Crawler - Fragen und Meinungen zu den Themen der Woche


Sagen Sie mal, Franky Armee, Sie haben Ihre journalistische Karriere für das Haus Ringier bei der Schweizer Illustrierten begonnen, die jetzt den hundertsten Geburtstag feiert. Wie kam es eigentlich dazu?
Nun, ich brauchte einen Job. Es ist nicht immer einfach, in einem kleinen Medienbüro zu arbeiten. Viel zu anstrengend. Insofern fiel dann der Widerstand dagegen, bei der SI zu arbeiten, nicht stark ins Gewicht.

Welcher Widerstand?
Widerstand von oben, von ganz oben. Von mir selbst. Aber ich habe ihn heldenhaft überwunden.

Und? Was haben Sie bei der Schweizer Illustrierten so alles verbrochen? 
Ich habe die politische Relevanz des Blattes gesteigert. Etwa mit der Geschichte über Bundesrat Nello Celio und seine wunderschöne Frau. Ganze sieben Seiten lang! Es waren die ersten privaten Bilder eines Bundesrates, die eine breite Öffentlichkeit zu Gesicht bekam.

Die Homestory war geboren.
Jetzt schauen Sie nicht so kritisch, Crawler! Das waren nicht bloss Homestorys.


Erklären Sie!
Meine Geschichten waren hoch politisch! Von Nello Celio lernte ich zum Beispiel, Risotto zu kochen und Pasta-Saucen zuzubereiten.


Diese Form von Storys war damals völlig neu für die Schweiz.
Ja, sie veränderte den Journalismus. Zunächst allerdings begleitet von der gehässigen Kritik so mancher Kollegen. Dabei nahm die politische Bedeutung der Schweizer Illustrierten gerade durch diese neue Form der Story zu. Das waren noch Zeiten!


Höre ich da etwa eine leise Kritik heraus? Wie erleben Sie die Schweizer Illustrierte heute?
Lassen Sie mich eine ganz spezielle Beschreibung formulieren... Moment... Ich blättere die SI heute mit skeptischer Verwunderung durch.


Mit skeptischer Verwunderung?
Nun ja, meine politischen Homestorys fehlen halt schon. Heute beschreibt die SI die Menschen losgelöst von ihrem sozialen, kulturellen und politischen Kontext.


Die SI ist seit Jahrzehnten enorm erfolgreich. Warum eigentlich?
Das frage ich mich allerdings auch. Zumal ich ja dort keine grossen Geschichten mehr schreibe und wir ja mit dem letzten Chefredaktor nicht in allen Punkten einverstanden waren. Wie die Leserzahlen trotzdem steigen konnten, das ist mir ein Rätsel.


Was wünschen Sie der Schweizer Illustrierten für die Zukunft?
Dass sie die Gesellschaft und die Zeit und die Welt wieder genau so ernst nimmt, wie die Menschen ihre Gesellschaft und ihre Welt in diesen ernsten Zeiten nehmen müssen. Eine ernste, tief politische, grübelnde und auch unangenehme Schweizer Illustrierte - das kann den Erfolg des Blattes nur steigern.


Die Inspiration für das 5. Whisky-Gespräch haben sich Mad Crawler und Franky Armee hier geholt.

Dienstag, 6. Dezember 2011

Auf einen Whisky (4. Folge)

Über die Freuden des Wartens

Franky Armee und Mad Crawler - Fragen und Meinungen zu den Themen der Woche.

Sagen Sie mal, Franky Armee, diese vorweihnachtliche Stimmung: Geht die Ihnen auch so ans Herz?
Jaja.

Aber?
Aber es ist zu früh. Nicht auszuhalten. Noch 18 Mal schlafen bis Heiligabend!

Ich verstehe nicht … 
Das wundert mich nun überhaupt nicht, Crawler. Sie verstehen fast nie etwas. Das Warten auf ein Wunder... ach, Crawler, Weihnachten, Weihnachten, Weihnachten!

Ich hätte nie gedacht, dass Ihnen so etwas gefällt!
Sie sollten lieber nie etwas denken, es kommt ja nicht viel Gescheites dabei heraus. Die Leute sprechen immer von den Freuden des Wartens. Vorfreude ist die schönste Freude. So ein Quatsch! Ich will jetzt Weihnachten. JETZT!

Man kann es aber auch anders sehen, Franky Armee: Die Schaufenster sind liebevoll dekoriert, die Weihnachtsmusik in den Läden …
 … und das soll mich nun wie genau beruhigen? Das erinnert mich ja jede Sekunde daran, dass es noch eine halbe Ewigkeit geht bis zu den Geschenken unter den Ästen mit dem Engelshaar und den Kugeln und der glänzenden Spitze des geschmückten Baums. Geben Sie mir noch ein Glas Whisky, Crawler. Ich drehe sonst durch.

Und warum ist das Ihrer Meinung nach so?
Weil es Alkohol drin hat. Ach, früher war alles besser. Weniger schnell. Da gelang es mir noch, Geduld zu üben, so etwas wie Vorfreude zu spüren - ja, das Warten zu geniessen.

Und das ist heute alles anders?
Das sage ich doch die ganze Zeit! Crawler, langsam sollten sie mich doch ein bisschen besser kennen. Es geht hier jeweils Woche für Woche darum, darzulegen, dass früher erwiesenermassen alles besser war. Gesellschaft, Individuum, Demokratie, Staat, die Welt, das ganze Universum.

Sie sehen das etwas gar düster!
Nein, ich sehe es grell erleuchtet. Übrigens, lieber Mad Crawler, bin ich ja selber ein Konsumidiot. Was ich beklage, betrifft mich selbst. Sie wohnen einem Akt der Selbstkritik bei. Ich bin zwar immer noch der Beste, aber ich war früher noch besser.


Die Inspiration für das 4. Whisky-Gespräch haben sich Mad Crawler und Franky Armee hier geholt.

Dienstag, 29. November 2011

Auf einen Whisky (3. Folge)

Über das tödliche Erbe des Totalitarismus


Franky Armee und Mad Crawler - Fragen und Meinungen zu den Themen der Woche. 


Mad Crawler nippt an seinem Whisky und summt ein Lied.
Franky Armee: ...Ahrm... ahem!

Mad Crawler nimmt noch ein Schlückchen, hält sein Glas hoch und nickt anerkennend.
Franky Armee: Sagen Sie... Sagen Sie mal!

Was, Franky? Was soll ich sagen?
Na "sagen Sie mal!" Sie müssen mich das jetzt fragen, Crawler, für unser Whisky-Gespräch.

Ich sehe nicht ein, warum immer ich die Fragen stellen soll. Sie könnten doch auch mal mich etwas fragen! Ich weiss auch etwas. Viele spannende Dinge.
Sagen Sie mal, Crawler, das ist jetzt aber nicht ihr Ernst? Wir haben das doch lang und breit besprochen, wie ich das jeweils gerne hätte.

Es ist mir sogar sehr ernst! Und dieses "sagen Sie mal", dass Sie immer als Anfang des Gesprächs von mir verlangen, das kann ich nicht mehr hören. Das ist doch total bescheuert!
Jetzt reicht's aber. Wer ist hier der Chefpublizist, Sie oder ich?

Mad Crawler dreht sich beleidigt um und nimmt einen grossen Schluck Whisky.

Franky Armee: Also gut, Crawler. Meinetwegen machen wir heute eine Ausnahme. Die Fragen kennen Sie ja schon, die hab ich Ihnen wie immer bereits aufgeschrieben. Jetzt hoffe ich einfach, dass Sie auch fähig sind, darauf etwas Gescheites zu antworten...
Mad Crawler: ...jetzt reicht es aber mit den Beleidigungen! Fangen Sie schon an, oder ich geh mit jemand anderem Whisky trinken!

Jajaja... Sagen Sie mal, Mad Crawler, in Deutschland ermordete eine Gruppe von Neonazis zwischen 2000 und 2006 acht türkische und einen griechischen Einwanderer. Womöglich gibt es noch mehr Opfer. Was geht da vor?
Das ganze Land ist entsetzt. Eine unfassbare Tragödie, die...

Genau! Unglaublich auch, dass diese Terroristen einfach jahrelang unbehelligt morden konnten - und unglaublich auch das Versagen von Polizei und Verfassungsschutz. Sie sind sicher auch der Meinung, dass man - so, wie Otto Schily das ja ursprünglich wollte - die dazugehörige Partei, die NPD, verbieten sollte. Ein grosser Fehlentscheid des Verfassungsgerichts, Crawler. Überhaupt: Man schaute viel zu lange zu, wie dieses höchstrichterlich akzeptierte Schlangennest vor sich hin brütete...
...dabei gilt es insbesondere auch zu beachten...

...dass der Nazismus vor allem in der ehemaligen DDR gedeiht! Genau! Das ist, wie ich es immer wieder sage, doch nichts weiter als die logische Fortsetzung auf einen sozialistischen Unrechtsstaates - ja, die Nachgeburt des Sozialismus. Ganz genau gleich war auch der Linksterrorismus der RAF nichts weiter als eine Nachgeburt des nazistischen Totalitarismus...
...Franky...

...ja, Sie sehen das richtig, Crawler. Jede Diktatur hinterlässt Schreckliches. Das ist nicht einfach ein Spaziergang aus einem totalitären System hinaus in die Freiheit, direkt in die Demokratie. Denken Sie an Italien, oder derzeit an Ungarn...
...Franky...

...und natürlich ist eine geeichte Demokratie nie ganz frei von extremistischen Strömungen. Egal ob links oder rechts. Die extremistischen Strömungen leben von Problemen, bieten aber keine Lösungen an. Politisch bewusste Bürger aber, wenn Sie so wollen, citoyens, die suchen aber Antworten auf ihre Probleme. Denken Sie nur an...
...FRANKY! VERDAMMTNOCHMAL!


Sagen Sie mal, was ist denn in Sie gefahren, Crawler?
Sie. lassen. mich... SIE LASSEN MICH NIE AUSREDEN, KEIN WORT LASSEN SIE MICH SAGEN, CRAWLER! Ihre Ablehnung des Nationalsozialismus geht ja in Ordnung - nur Nazis lehnen das nicht ab, aber...

...eben, ich weiss deshalb auch gar nicht, wo Ihr Problem...
FRANKY ARMEE, SIE HALTEN JETZT DIE KLAPPE. Die RAF als Nachgeburt der Nazis? So einen Mist muss ich mir doch nicht anhören! Nicht, dass die in irgendeiner Form zu bewundern wären, aber das ist doch einfach kein zulässiger Vergleich, das macht überhaupt keinen Sinn. Ich hätte zu dem wichtigen Thema ganz andere Dinge angesprochen...

...nur zu, da bin ich ja mal gespannt. Sie finden sicher auch, dass das Spiel der Populisten mit den Ängsten der Bevölkerung nur auf kurze Zeit funktioniert. Ich bin da sehr zuversichtlich...
...Franky Armee, es reicht. Es ist jetzt genug. Mit mir müssen Sie nie mehr über Totalitarismus reden. Was Sie da grade betreiben ist ja nichts anderes als Totalitarismus! Das nervt mich tödlich! Aber wissen Sie was? Totalitarismus funktioniert nicht, wenn die Leute nicht mitmachen. Deshalb: Schönen Tag noch. (Mad Crawler verlässt den Raum).


Crawler... CRAWLER! Kommen Sie zurück! SOFORT! Crawler! ... Crawler! ... Crawler? ... Eine Frechheit. Dieser Crawler. Der konnte sich noch nie unterordnen.




Die Inspiration für das heutige Whisky-Gespräch haben sich Franky Armee und Mad Crawler hier bei ihren grossen Vorbildern geholt.

Dienstag, 22. November 2011

Auf einen Whisky (2. Folge)

Franky Armee und Mad Crawler – Fragen und Meinungen zu den Themen der Woche.

Über Ratlosigkeit und Rastlosigkeit

Sagen Sie mal, Franky Armee, vergangene Woche war ich kurz in New York und besuchte das Camp der "Occupy Wall Street"-Bewegung im Zuccotti-Park, mittlerweile durch die Polizei aufgelöst. Was halten Sie von dieser Bewegung?
Es erinnert mich an die Hippies, die ich zutiefst verabscheue. Die haben scheinbar etwas gegen die Reichen, zu denen wir ja auch gehören. Die fordern Dinge wie gleichen Lohn für gleiche Arbeit, und manche gar noch viel mehr. Wenn ich da dafür wäre – ich schnitte mir ins eigene Fleisch.

Seien Sie ehrlich: Den Occupy-Bewegten fehlt doch das Programm.
Das ist auch ganz normal.

Wie soll man das verstehen?
Unbehagen sind doch nie und nimmer ein Programm! Wo kämen wir da hin? Dass der Umgang mit den finanzkapitalistischen Mächten besser geregelt werden müsste, das finde ich allerdings auch. Und allein bin ich damit nicht: Die Politik sucht nicht umhin noch eine Antwort auf gewisse Probleme, vor allem in den demokratischen Staaten.

Wenn nicht einmal die Politik die nötigen Antworten anzubieten hat, wohin soll das Ganze dann noch führen?
Ganz, ganz nah an den Abgrund. Wenn nicht vollends ins Verderben. Denn wir müssen verstehen, dass die Krise, die wir durchleben, nicht einfach eine finanzielle und nicht einfach eine politische Krise ist, sondern eine kulturelle.

Wie meinen Sie das?
Mit der Regelung der Finanzwirtschaft haben wir noch gar kein Problem gelöst. Das echte Problem heisst doch – und diese Frage ist ganz neu: Wie wollen wir leben? Die Antwort darauf ist jenseits aller Ideologien, linker wie rechter zu suchen.

Wo liegt denn die Antwort auf das wohl dringendste Problem in diesem gewaltigen Konflikt: dass ganz wenige Reiche fast alles haben?
Sie hören mir wohl wieder mal nicht zu. Jetzt habe ich eben gesagt, dass die Regulierung erst der Anfang sein kann. Es ist ein viel grösseres kulturelles Problem! Die Finanzkrise, die Schuldenkrise, die Bewusstseinskrise: Alles nur Resultat der allgemeinen Rastlosigkeit. Wir müssen anhalten, Rast machen. Das ist die Lösung.

Aber wer kann überhaupt Lösungen bieten? Wem können wir noch vertrauen?
Mir natürlich, wem sonst. Jedenfalls sicher nicht den Ökonomen, die sich als Wissenschafter gebärden und die doch allzu oft mit ihren Weisheiten nicht weiter sind als afrikanische Voodoo-Zauberer.

Was bleibt also dann?
Crawler, Ihnen würde etwas nachdenken wirklich nicht schaden. Es ist Zeit für Bürger mit Lebenserfahrung. Es ist Zeit für den gesunden Menschenverstand. Es ist Zeit für: Mich! Für Franky Armee! Und wie gesagt: Anhalten, Rast machen, und alles wird gut. Geben Sie mal die Flasche rüber.


Nach kurzem und heftigem Streit haben Franky Armee und Mad Crawler beschlossen, das grosse Vorbild für die Whisky-Gespräche jeweils hier am Ende zu verlinken. Den Ausschlag dafür gab, dass die Schweizer Illustrierte trotz dem massivem Ausbau vom letzten Jahr auf fünf Online-Journalisten gemäss aktueller Net-Metrix-Analyse weniger Besucher hat als die Schweizer Milchproduzenten auf Swissmilk.ch. Die freuen sich über jeden Link, und wir helfen gerne, wo wir können.


Mittwoch, 16. November 2011

Auf einen Whisky


Franky Armee und Mad Crawler – Fragen und Meinungen zu den Themen der Woche.


Sagen Sie mal, Franky Armee, haben Sie eigentlich Fernsehen?
Ja.

Und? Schauen Sie?
Äh, ja. Aber es kommt ja nie etwas Gescheites.

Sie spitzen wieder einmal fürchterlich zu. Dabei haben Sie wahrscheinlich an die hundert Sender zur Auswahl ...
57 Kanäle, und nichts läuft. Die totale Leere.

Was kritisieren Sie denn konkret am Fernsehprogramm?
Nie kommt das, was ich will. Das Programm wird einem beim Fernsehen ja vorgegeben – ich kann nicht wählen, was ich sehen will, wie etwa beim Internet. Und, wie gesagt, es läuft eigentlich nichts, was man sehen muss.

Es kommt also nichts "Gescheites" mehr. Warum ist das so?
Es hat viel damit zu tun, wer da am TV auftreten darf, und wer nicht.

Und konkret, Franky Armee?!
Günther Jauch. Die Beliebigkeit in Person. Ein Showman ohne tiefere politische Kompetenz . Und so einer durfte sogar mit der Kanzlerin sprechen.

Was würden Sie ins Programm stellen, wenn Sie könnten?
Kompetenz, Kompetenz, Kompetenz: politisch, wirtschaftlich, kulturell, im Sport und in der Unterhaltung. Intelligenz, Intelligenz, Intelligenz. Sprich: Ich würde mich selbst ins Programm stellen. Franky Armee würde Günther Jauch locker den Meister zeigen. Aber leider ist das wohl ein ferner Traum. Es geht abwärts, abwärts, abwärts.

Welche Sender oder Sendungen sehen Sie als Ausnahmen dieser Nivellierung nach unten?
Mir fällt keine ein. Im Übrigen, lieber Mad Crawler, sind wir ja ebenfalls längst verführt von der süssen Sucht nach dem Seichten. Sehen Sie uns doch an: Unsere Lieblingszeitung ist der Blick am Abend. Das ist wohl der Lauf der Welt, niemand ist davor gefeit.

Zum Schluss eine persönliche Frage: Welche Fernsehsendungen empfehlen Sie den Lesern dieses Whisky-Gesprächs?
Das soll eine persönliche Frage sein? Sind Sie total bescheuert? Und hören Sie mir überhaupt zu? Alles ist nur Schall und Rauch und Entertainment. Früher war alles besser. Ich kann wirklich nichts empfehlen.

Und welche Nachrichten-Sendungen?
Herrgottnochmal, Crawler. Schenken Sie uns noch einen Whisky ein.




Hier geht es zu unseren grossen Vorbildern.