Mittwoch, 14. Dezember 2011

"Inspiration" oder Abschreiben?

Der Blick am Abend überraschte am Mittwoch, 14. Dezember, mit einer lustigen Liste auf der "Hintergrund"-Seite: Unter dem Titel "Traurig, aber wahr" berichtete er über "elf extrem enttäuschende Musik-Facts" - und zwar "inspiriert von der Internetseite Buzzfeed."

Die Quelle der "Inspiration" finden Sie hier. Buzzfeed titelte vor rund zwei Monaten: "12 Extremely disappointing facts about popular music".

Sie sehen: Ganz anders. Trotz des eher ähnlichen Satzes. BlaA hat elf "Facts". Buzzfeed aber hat zwölf!

Und so unterschiedlich geht es mit der Liste weiter:

Buzzfeed: 1. Creed has sold more records in the US than Jimi Hendrix
BlaA: 1. Die US-amerikanische Rockband Creed hat in den USA mehr Platten verkauft als Gitarren- Gott Jimi Hendrix.

2. Led Zeppelin, REM, and Depeche Mode have never had a number one single, Rihanna has 10
2. Depeche Mode (Bild), Led Zeppelin und R.E.M. hatten nie einen Nummer-1-Hit in den US-Single-Charts - Rihanna hat zehn. 

3. Ke$ha's “Tik-Tok” sold more copies than ANY Beatles single
4. Keine einzige Single der Beatles wurde so oft gekauft wie Ke$ha’s «Tik Tok».

4. Flo Rida's “Low” has sold 8 million copies – the same as The Beatles' “Hey Jude”
5. Flo Rida’s «Low» verkaufte sich acht Millionen Mal – genau gleich viel wie «Hey Jude» von den Beatles.

5. The Black Eyed Peas' “I Gotta Feeling” is more popular than any Elvis or Simon & Garfunkel song
6. «I Gotta Feeling» von den Black Eyed Peas ist populärer als jedes Stück von Elvis oder
Simon & Garfunkel.

6. Celine Dion's “Falling Into You” sold more copies than any Queen, Nirvana, or Bruce Springsteen record
3. Céline Dions «Falling Into You» verkaufte sich besser als jedes Album von Queen (Bild), Nirvana oder Bruce Springsteen.

7. Same with Shania Twain's “Come On Over”
(Shania Twain kommt im BlaA nicht vor)

8. Katy Perry holds the same record as Michael Jackson for most number one singles from an album
7. Am meisten Nummer-1- Singles von einem Al- bum: Diesen Rekord teilt Katy Perry mit Michael Jackson (je 5).

9. Barbra Streisand has sold more records (140 million) than Pearl Jam, Johnny Cash, and Tom Petty combined
8. Barbara Streisand verkaufte mehr Platten (140 Millionen!) als Pearl Jam, Johnny Cash und Tom Petty zusammen.

10. People actually bought Billy Ray Cyrus' album “Some Gave All…” 20 million people. More than any Bob Marley album
9. 20 Millionen Menschen kauften sich Billy Ray Cyrus’ Album «Some Gave All...». Mehr als jedes Bob-Marley-Album.

11. The cast of “Glee” has had more songs chart than the Beatles
10. Das Team der Musical-Comedy-Fernsehserie «Glee» hatte mehr Titel in den Charts, als die Beatles.

12. This guy exists. (Mit Bild von Justin Bieber)
11. Er existiert. (Mit Bild von Justin Bieber)

Deutlich zu sehen: Die Antwort auf die Frage, ob man hier von "Inspiration" oder Abschreiben sprechen soll, erübrigt sich. BlaA hat grosse Kreativität bewiesen. Nicht nur wurden, wie erwähnt, 11 statt 12 "Facts" gezeigt. Nein: Auch die Reihenfolge ist ganz anders! Und nicht zu vergessen: Der Text im Blick am Abend ist deutsch. Der Text auf Buzzfeed ist englisch. Das ist alles andere als selbstverständlich. Wir freuen uns jedenfalls bereits auf viele weitere spannende Inspirationen des BlaA-Teams.

Jetzt beim Blick am Abend bewerben!

Ja, verehrte Leserschaft: Bewerben Sie sich! Denn wie wir am Dienstag, 13. Dezember im BlaA erfahren durften, ist Journalismus ein JeKaMi. Zögern Sie nicht!

Das sind doch nun wirklich für einmal echte "Good News" im Blick am Abend: "Wer nichts wird, wird Journalist". Sprich: Das können wir alle.

Sie sollten sich auch nicht davor abschrecken lassen, dass Chelsea Clinton einen B.A. mit Auszeichnung von der Stanford University (2001) hat. Oder, dass sie einen M.Phil in internationalen Beziehungen in Oxford (2003) gemacht hat. Auch der Master of Public Health (Columbia School of Public Health, 2010) oder die Doktorarbeit, die Chelsea derzeit an der Robert F. Wagner Graduate School of Public Service an der New York University schreibt, sollte Sie keineswegs davon abhalten, Journalist oder Journalistin zu werden: Es ist vom Lebenslauf her ganz klar, dass Chelsea Clinton nichts ist und nichts wird (ausser eben: "Journalist". Der Spruch heisst eigentlich "wer nichts ist..." - damit es sich reimt. Warum es hier "wird" heisst, wird nicht klar).

Im Text steht denn auch, dass Sie sich alle bewerben sollen: "Das schöne an unserem Beruf: Journalist kann jeder sein (...) wir nehmen jeden auf."


Also, worauf warten Sie noch? BlaA nimmt einfach jeden und jede auf. Auch Sie! Melden Sie sich doch gleich per Mail an die Redaktion - Ihrer glanzvollen Karriere im Journalismus stehen höchstens Sie selbst im Weg. Wollen Sie wirklich nichts werden? Ja? Dann nichts wie los, schicken Sie Ihre Bewerbung noch heute ab.



Dienstag, 13. Dezember 2011

Das Whisky-Altersheim

Heute Dienstag gab es für einmal wirklich gute Neuigkeiten im Blick am Abend:

Mad Crawler und ich, wir haben uns nach diesem schönen Artikel gleich beim Pflegeheim Panorama in Bern-West angemeldet. Perfekter Service: Medikamente, und vor allem: Whisky inbegriffen. Das einzige, was wir nicht verstehen, ist das Wort "Skandal" im Titel.

Auf einen Whisky (5. Folge)

Über die Relevanz der Schweizer Illustrierten

Franky Armee und Mad Crawler - Fragen und Meinungen zu den Themen der Woche


Sagen Sie mal, Franky Armee, Sie haben Ihre journalistische Karriere für das Haus Ringier bei der Schweizer Illustrierten begonnen, die jetzt den hundertsten Geburtstag feiert. Wie kam es eigentlich dazu?
Nun, ich brauchte einen Job. Es ist nicht immer einfach, in einem kleinen Medienbüro zu arbeiten. Viel zu anstrengend. Insofern fiel dann der Widerstand dagegen, bei der SI zu arbeiten, nicht stark ins Gewicht.

Welcher Widerstand?
Widerstand von oben, von ganz oben. Von mir selbst. Aber ich habe ihn heldenhaft überwunden.

Und? Was haben Sie bei der Schweizer Illustrierten so alles verbrochen? 
Ich habe die politische Relevanz des Blattes gesteigert. Etwa mit der Geschichte über Bundesrat Nello Celio und seine wunderschöne Frau. Ganze sieben Seiten lang! Es waren die ersten privaten Bilder eines Bundesrates, die eine breite Öffentlichkeit zu Gesicht bekam.

Die Homestory war geboren.
Jetzt schauen Sie nicht so kritisch, Crawler! Das waren nicht bloss Homestorys.


Erklären Sie!
Meine Geschichten waren hoch politisch! Von Nello Celio lernte ich zum Beispiel, Risotto zu kochen und Pasta-Saucen zuzubereiten.


Diese Form von Storys war damals völlig neu für die Schweiz.
Ja, sie veränderte den Journalismus. Zunächst allerdings begleitet von der gehässigen Kritik so mancher Kollegen. Dabei nahm die politische Bedeutung der Schweizer Illustrierten gerade durch diese neue Form der Story zu. Das waren noch Zeiten!


Höre ich da etwa eine leise Kritik heraus? Wie erleben Sie die Schweizer Illustrierte heute?
Lassen Sie mich eine ganz spezielle Beschreibung formulieren... Moment... Ich blättere die SI heute mit skeptischer Verwunderung durch.


Mit skeptischer Verwunderung?
Nun ja, meine politischen Homestorys fehlen halt schon. Heute beschreibt die SI die Menschen losgelöst von ihrem sozialen, kulturellen und politischen Kontext.


Die SI ist seit Jahrzehnten enorm erfolgreich. Warum eigentlich?
Das frage ich mich allerdings auch. Zumal ich ja dort keine grossen Geschichten mehr schreibe und wir ja mit dem letzten Chefredaktor nicht in allen Punkten einverstanden waren. Wie die Leserzahlen trotzdem steigen konnten, das ist mir ein Rätsel.


Was wünschen Sie der Schweizer Illustrierten für die Zukunft?
Dass sie die Gesellschaft und die Zeit und die Welt wieder genau so ernst nimmt, wie die Menschen ihre Gesellschaft und ihre Welt in diesen ernsten Zeiten nehmen müssen. Eine ernste, tief politische, grübelnde und auch unangenehme Schweizer Illustrierte - das kann den Erfolg des Blattes nur steigern.


Die Inspiration für das 5. Whisky-Gespräch haben sich Mad Crawler und Franky Armee hier geholt.

Montag, 12. Dezember 2011

Klaut Blick am Abend beim Starfotografen?

Dass Jennifer Aniston vom Männer-Magazin "Men's Health" zur "heissesten Frau aller Zeiten" gewählt wurde, ist dem Blick am Abend die heutige Front wert. Das ist ja auch über alle Massen wichtig.

Bei wem hat der BlaA das "heisse" Bild des US-Superstars? Ein Blick zur Bildlegende auf der linken Seite macht nicht wirklich schlauer: "zvg" steht da geschrieben. "Zur Verfügung".

Von wem? Ich vermute stark: vom Internet. Gratis.

Denn gemäss verschiedener Fan-Blogs soll es sich um ein Foto des Starfotografen Mark Seliger handeln. Für US Weekly, 1997. Das wird z.B hier behauptet. Oder auch hier.

Auf der offiziellen Seite von Seliger ist das Bild zwar nicht zu finden. Aber sein Archiv geht auch nicht so weit zurück. Seliger gehört zu den ganz grossen im Prominenten- und Mode-Foto-Business. Seine Fotos werden beinahe jeden Monat für die Titelseiten berühmter Magazine verwendet.

Ob von Seliger oder nicht: Das "zvg" verheisst nichts Gutes. Es klingt nach Fotoklau. Dabei ist kaum vorstellbar, dass der Blick am Abend zu wenig Geld hätte, um Fotografen- oder Agenturhonorare zu bezahlen.

Das Geheimnis der ewigen Liebe

Am Montag, 12. Dezember 2011, stellt der Blick am Abend auf der Titelseite eine spannende Frage.

Es geht um die "ewige Liebe" zwischen Baschi (25 Jahre alt) und Katy (28 Jahre alt): "Wie hält das"? Man freut sich auf die Antwort auf Seite 6. Denn es ist eine wichtige Frage, wie man es schafft, seit 2004 (!) ein Paar zu sein. Und das erst noch im fortgeschrittenen Alter. Gerade Leser, welche selber seit langem eine Lebensfreundin oder einen Lebensfreund, oder vielleicht gar eine Ehefrau oder einen Ehemann haben, dürfte die Antwort auf diese Frage brennend interessieren. Wie machen die das bloss, diese jungen Leute, mit ihrer ewigen Liebe?

Die Antwort auf Seite 6 ... ist dann aber gar keine Antwort. Zwar wird festgestellt, dass man die ewig Liebenden lange "nicht mehr zusammen gesehen" hat - aber Baschi sagt: "Wir nähern uns immer mehr an" (deutlich zu sehen auf dem Foto: Die beiden sitzen wirklich schon ganz nahe beieinander). Vielleicht ist die Antwort darauf, wie das hält, dass sie noch nicht ans Heiraten denken, weil sie "noch so jung" sind? Man weiss es nicht. Frustriert müssen wir den Blick am Abend aufs Altpapier legen. Und wissen weiterhin nicht um das Geheimnis der ewigen Liebe.

Freitag, 9. Dezember 2011

Wetter-Verschlechterung im BlaA!

Heute musste ich beim Lesen des Blick am Abend traurig feststellen, dass eine wichtige Information beim alltäglichen Wetterbericht plötzlich fehlt. Zum Vergleich sehen Sie hier das Wetter vom BlaA von Donnerstag, 8. Dezember und Freitag, 9. Dezember 2011.


Ein Skandal! Jeden Tag konnte man bis gestern auf der Letzten das Wetter "Heute vor einem Jahr" lesen. Das war wichtiger journalistischer Mehrwert in einem sonst in allen Zeitungen immergleichen Ressort. Jeden Tag erfreute das Wetter vor einem Jahr entweder die Leser (wenn es heute vor einem Jahr besser war) - oder es sorgte für leichte Depressionen (wenn es früher, wie so vieles, besser war).

Und am Freitag? Schneehöhen! Unnütz, fantasielos, beliebig. Schade, Blick am Abend. Ich hoffe, man wird diesen Fehlentscheid bald wieder rückgängig machen und sich dem Wetter vor einem Jahr zuwenden.

Service bei BlaABlog: Heute vor einem Jahr gab es einen typischen Kaltfrontdurchgang. Sogar einzelne Gewitter gabs im Dezember, und die Schneefallgrenze sank bis ins Flachland. Genaueres finden Sie hier. Ich lege jedem Wetterinteressierten nahe, sich eingehend mit dem Wetter vergangener Tage zu beschäftigen. Es ist ein schönes Hobby.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Dumm und Gesund

Auf der letzten Seite des BlaA gibt es jeweils "Good News". Irgend etwas Positives in der tristen News-Welt. Am Donnerstagabend verkündet der BlaA folgende gute Neuigkeit:

Es geht, wie wir sehen, darum, dass intelligente Menschen anfälliger sind für Krankheiten. Warum das aber gute Neuigkeiten sein sollen, das will mir nicht einleuchten. Das können eigentlich nur dumme Menschen gut finden, oder?

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Lieber Herr Zuppiger

Ich habe in den letzten Tagen viel über Sie erfahren dürfen. Am Montag erhielten Sie einen Liebesbrief vom Blick am Abend. Und am Dienstag wurden Sie gleich zwei Mal erwähnt: Auf Seite 3 wegen Ihres Auftritts im 10vor10, und danach im Text "Jetzt redet Rösli Zuppiger" auf Seite 5.

Rösli. Darum geht es. Sie haben viel bewegt, Herr Zuppiger. In den Herzen der Frauen. "Gäbe es die Volkswahl Bundesrat [sic], würden viele Damen Ihren Namen auf den Wahlzettel schreiben", stand im BlaA-Liebesbrief an Sie. Warum fliegen Ihnen die Damenherzen zu, lieber Herr Zuppiger? BlaA erklärte es am Dienstag mit folgendem Satz: "Zuppiger selbst freute sich über das Kompliment, dass er nach 20 Jahren Ehe noch in der Lage ist, so gefühlvoll über seine Frau Rösli zu sprechen."

Das ist wahrlich heroisch von Ihnen. Wer ist dazu schon in der Lage! 20 Jahre sind eine unvorstellbar lange Zeit, um lobende Worte für den Menschen zu finden, der einem am nächsten steht. Normalerweise spricht Mann bereits nach 10 Jahren Ehe nur noch am Stammtisch über seine Frau, und dann nicht in rosa Farbtönen. Aber Sie, Herr Zuppiger, Sie lieben Ihr Rösli, und Sie stehen dazu. Der BlaA hat mit seiner Kampagne für Sie ins Schwarze getroffen: Sie sind ein Held, eine positive Ausnahme, und die Schweiz braucht mehr Menschen wie Sie. Vielleicht bin ich gerade etwas zu überschwänglich-optimistisch, aber ich kann mir gut vorstellen, dass weitere Bundesratskandidaten und Bundesräte Ihrem Beispiel folgen werden und regelmässig öffentlich ihre Partnerinnen loben.

Was nicht im Blick am Abend steht - der Redaktionsschluss war wohl zu früh - ist die unangenehme Weltwoche-Geschichte mit dem Erbe im Wert von 265'000 Franken, das Sie im Namen der Verstorbenen hätten verwalten und spenden sollen. Sie haben das Geld "abgezweigt", und am Ende kam es zur "versuchten Veruntreuung", schreibt die Weltwoche.

Sie sind sich ja bewusst, dass sich die Herzen der Damen nun rasch wieder abkühlen werden. Ganz egal, wie sehr Sie für Ihre Frau schwärmen. Ich möchte Ihnen sagen: Hören Sie nicht auf die Kritik. Geniessen Sie Ihren neuen Lebensabschnitt. Als Mann, der nun bald noch viel mehr Zeit hat für sein Rösli. Und ich wünsche mir, Ihnen, und dem ganzen Land, dass der Blick am Abend morgen seine Kampagne der wahrhaft wichtigen Werte (öffentliches Schwärmen von Politikern für ihre Ehefrauen) nicht aufgibt, sondern Ihnen weiterhin den Rücken stärkt.

Mit den besten Wünschen,
Hochachtungsvoll

Mad Crawler



Chläuse und Cyborg-Models

Gestern Abend griff der Blick-am-Abend-Chefredaktor höchstpersönlich für den Leitartikel in die Tasten. Damit unterstreichen Chefredaktoren gerne die Brisanz eines Themas. Der Titel der Geschichte auf der Front: "Weihnachtsmann bedroht Samichlaus und Christkind: Imperialist!" Auf Seite 2-3 wurde genauer gesagt, worum es geht: "Globalisierung bedroht Samichlaus".

Wir erfahren, dass der Samichlaus, ursprünglich ja ein Heiliger, heute von den US-Chläusen "platt" gemacht wird. Plötzlich ist er "ein fröhlicher, barocker und grosszügiger Geselle. Was für ein Gegensatz zum Samichlaus, der aus dem dunklen Wald auftaucht, mit einem düsteren Schmutzli als Helfer, verlängerter Arm der Eltern, der den Kindern Benehmen beibringen soll, mit der Fitze droht, ein paar Nüssli und viele Drohungen zurücklässt und wieder verschwindet!" (Sie sehen, der Chefredaktor mag lange Sätze. Sympathisch.) Bei der Bildlegende für den Chlaus made in USA steht dazu noch: "Unheiliger: Mit dickem Wanst, Zipfelkappe, Trinkernase."


Das ist natürlich unerhört. Obwohl: Laut meinen Kindheitserinnerungen (länger her) war der Samichlaus immer schon ein dicker Mann, der nach Bier roch und meinem Onkel zum Verwechseln ähnlich sah.


Aber ich habe die Botschaft trotzdem verstanden: Lieber Chlaus mit Zipfelmütze schlecht, böser Chlaus mit Stab und Schmutzli gut.


Etwas unglücklich daher, dass auch die Literatur-Seite das Thema "Samichlaus" behandelt. Nicht, weil es nicht passen würde, aber weil auf der Seite gross dieses Bild prangt:

Die Bildlegende dazu: "Die Geschichte von Sankt Nikolaus: Ein Buch für grosse und kleine Samichlaus-Fans". Der BlaA bebildert also seine Literatur-Seite just mit einem der angeblichen US-Satans-Chläuse, die dem Chefredaktor so zuwider sind. Das Bild ist wohl wirklich aus den USA: es heisst "Santa Claus Reading Book With Young Girl" von David de Lossy, und man findet es hier. Eine eher (ch)lausige Bildwahl.

Schöner fand ich das Foto zum Kommentar auf Seite 2. Ich habe es lange und gerne angeschaut. Nur wurde ich aus dem Kommentar mit dem Titel "Danke, Cyborg Models" nicht ganz schlau. Worum es geht: H&M gab zu, die Körper ihrer Webshop-Models "komplett am Computer zu designen". Und das sei - jetzt kommt's - "pünktlich zum Samichlaus (...) gute News aus dem hohen Norden".

Warum sind das gute News laut der Person mit dem Kürzel "lhb"? Die, wie ich befürchte, weiblichen Geschlechts ist? Die Erklärung im Text "Cyborg Models – die beste Erfindung seit der Stretchjeans! Während die Bilder von realen Supermodels in jedem Frauenhirn umhergeistern, fühlt sich keine Frau durch ein künstliches Wesen bedroht. Die virtuelle Welt dient nicht zum Vergleich. Und ein animiertes Model mit seinem perfekten Körper wird sich in der Badi nie neben uns legen. In diesem Sinne können wir getrost noch einmal einen Bissen vom Lebkuchen nehmen."


Es gibt nun zwei Möglichkeiten. Entweder, der ganze Kommentar ist ironisch gemeint (Sie kennen das vielleicht: Es ist das Gegenteil von dem gemeint, was gesagt wird.) Allerdings: Man müsste jeden Satz von Anfang bis Schluss ins Gegenteil verkehren.


Ich tippe eher auf Möglichkeit zwei: Nämlich, dass hier ein Fall von "nicht überlegt, bevor die Finger auf die Tasten stürzten" vorliegt, um Helmut-Maria Glogger zu zitieren. Dank Glogger wissen wir ja auch: "Fingern ist einfach, schreiben ist schwer"


Und falls jemand sich fragen sollte, wo denn eigentlich das Problem liege: Die Aussage, ein "künstliches Wesen" bedrohe die Frauen nicht (denn die "virtuelle Welt dient nicht zum Vergleich"), ist ungefähr gleich intelligent wie die Aussage, all unsere kulturelle Produktion (von Mona Lisa zu Barbie, von Barbarella zu Hentai) habe keinerlei Einfluss auf unsere Welt und uns Menschen. Ein Cyborg-Model kann sich zwar tatsächlich nicht "in der Badi (...) neben uns legen". Aber vielleicht lächelt das unerreichbare virtuelle (Vor)bild uns vom Plakat beim Badi-Kiosk her zu. Und ganz sicher "geistert" es in unserem Gehirn umher. Ich habe es wie gesagt lange genug angeschaut.

Dienstag, 6. Dezember 2011

Auf einen Whisky (4. Folge)

Über die Freuden des Wartens

Franky Armee und Mad Crawler - Fragen und Meinungen zu den Themen der Woche.

Sagen Sie mal, Franky Armee, diese vorweihnachtliche Stimmung: Geht die Ihnen auch so ans Herz?
Jaja.

Aber?
Aber es ist zu früh. Nicht auszuhalten. Noch 18 Mal schlafen bis Heiligabend!

Ich verstehe nicht … 
Das wundert mich nun überhaupt nicht, Crawler. Sie verstehen fast nie etwas. Das Warten auf ein Wunder... ach, Crawler, Weihnachten, Weihnachten, Weihnachten!

Ich hätte nie gedacht, dass Ihnen so etwas gefällt!
Sie sollten lieber nie etwas denken, es kommt ja nicht viel Gescheites dabei heraus. Die Leute sprechen immer von den Freuden des Wartens. Vorfreude ist die schönste Freude. So ein Quatsch! Ich will jetzt Weihnachten. JETZT!

Man kann es aber auch anders sehen, Franky Armee: Die Schaufenster sind liebevoll dekoriert, die Weihnachtsmusik in den Läden …
 … und das soll mich nun wie genau beruhigen? Das erinnert mich ja jede Sekunde daran, dass es noch eine halbe Ewigkeit geht bis zu den Geschenken unter den Ästen mit dem Engelshaar und den Kugeln und der glänzenden Spitze des geschmückten Baums. Geben Sie mir noch ein Glas Whisky, Crawler. Ich drehe sonst durch.

Und warum ist das Ihrer Meinung nach so?
Weil es Alkohol drin hat. Ach, früher war alles besser. Weniger schnell. Da gelang es mir noch, Geduld zu üben, so etwas wie Vorfreude zu spüren - ja, das Warten zu geniessen.

Und das ist heute alles anders?
Das sage ich doch die ganze Zeit! Crawler, langsam sollten sie mich doch ein bisschen besser kennen. Es geht hier jeweils Woche für Woche darum, darzulegen, dass früher erwiesenermassen alles besser war. Gesellschaft, Individuum, Demokratie, Staat, die Welt, das ganze Universum.

Sie sehen das etwas gar düster!
Nein, ich sehe es grell erleuchtet. Übrigens, lieber Mad Crawler, bin ich ja selber ein Konsumidiot. Was ich beklage, betrifft mich selbst. Sie wohnen einem Akt der Selbstkritik bei. Ich bin zwar immer noch der Beste, aber ich war früher noch besser.


Die Inspiration für das 4. Whisky-Gespräch haben sich Mad Crawler und Franky Armee hier geholt.

Montag, 5. Dezember 2011

BlaA-Tippfehler-Gala, Pisa-Edition

Im Blick am Abend von heute Montag erfahren wir auf Seite 9 auf der Zürich-Seite:

Ich kann dem Votum der Zürcher Bildungsdirektorin nur zustimmen: Dass jede/r fünfte Zürcher Schüler/in der neunten Klasse nicht richtig lesen und rechnen kann, ist schlecht. Und man tut gut daran, das schnellstmöglich zu verändern. Egal, was es kostet: Eine Gesellschaft kann sich die Auswirkungen davon noch viel weniger leisten als notwendige Korrekturen.

Einen Grund für die grassierende Sprachunfähigkeit fand ich weiter vorne auf Seite 3. Dort steht, dass der Langenscheidt-Verlag die "Jugendwörter des Jahres" gekürt hat. Es sind dies: 1. "Swag", 2. "Fail/Epic Fail" und 3. "guttenbergen".

(Klicken zum Vergrössern)
Wenn Abschreiben, vorgelebt von ganz oben ("guttenbergen"), auch sprachlich im Trend liegt, sollten bei Langenscheidt die Alarmglocken eigentlich Sturm läuten. Und wenn dazu noch die englischen Worte "Swag" ("beneidenswerte, lässig-coole Ausstrahlung") sowie "(Epic) Fail" auf die vordersten Plätze kommen, muss man eher schwarz sehen für den zukünftigen Wörterbuch-Umsatz des traditionsreichen deutschen Verlagshauses.

Aber darum soll es hier gar nicht gehen. Wer voll den Swag aufdreht, der liest sicher auch den Blick am Abend. Und mit dem Lesen von Zeitungen lernt man korrektes Deutsch.

Jedenfalls im Idealfall. Doch ausgerechnet am Pisa-Tag legt der BlaA wieder eine imposante Tippfehler-Parade hin.

Auf der Titelseite der angeblich "teuerste Crash aller Zeiten": "8 Ferrari" sind verwickelt. Kann man machen, wenn man den italienischen Plural wählt. Nur sollte man dann beim eigentlichen Bericht nicht auf die korrekte deutsche Schreibweise "acht Ferraris" wechseln. Entweder oder.

Leider geht es im gleichen Stil weiter. In der Kolumne "Abgefahren!" hat sich eine Frau Bliggs "neue Album" gekauft.  Auf der DVD-Seite trägt sich ein Film nicht "in die Analen der Filmgeschichte ein" (das wäre auch wirklich etwas eklig - anus horribilis, quasi). Oder wir lesen auf der "Wohnen"-Seite folgenden Satz: "Die Bilder des Fotografen Simon Upton veranschaulichen kleine Veränderungen, wie neue Kissen oder Bezugstoffe einen Raum gemütlicher oder frischer aussehen lassen können." Der Satz braucht selbst eine kleine Veränderung: "kleine Veränderungen" bitte streichen. Danke. Weiter erfahren wir, dass es bei Valora "umgekeht" läuft. Und zu guter Letzt steht im BlaA, dass die Mädchen von Guiseppes "Annährungsversuchen" nichts wissen wollten (Kannibalen haben es nun mal eher schwer bei der Partnersuche).

 

Kann jemand bei dieser Lektüre richtiges Deutsch lernen? Mich beschleicht der Verdacht, die Auswirkungen auf das Sprachzentrum sind eher Epic Fail. Man hört Konversationen wie die Folgende wohl bald nicht nur in seinem geistigen Ohr, sondern nach Feierabend im Tram: "Mann, ich habe 8 Ferrari. Und in jedem drei Mal Bliggs neue Album. Jeder Annährungsversuch ein Treffer! Und wenn wir's im Ferrari umgekeht machen, sind wir beim Analen. Voll der Swag, weisch."

Cédric Wermuth vs. Helmut-Maria Glogger

Normalerweise liefert sich Cédric Wermuth (SP) Wortgefechte mit Lukas Reimann (SVP). Im Blick am Abend, und in Videos auf Blick.ch. Am Freitag Abend aber griff Wermuth Helmut-Maria Glogger (BlaA) verbal an. Wermuth twitterte:

Scharfe Worte gegen den Blick-am-Abend-Daily-Mailer, der, wie BlaABlog aufdeckte, seine Mails gar nicht abschickt, sondern nur in die Zeitung druckt (mittlerweile haben sich bei BlaABlog noch drei weitere von Glogger Angemailte gemeldet, die nie ein Mail bekommen haben).

Warum empfiehlt Wermuth Glogger, nach Tunesien zu verreisen? Welche "Hasstirade" meint er, und warum gebraucht er das Wort "Fremdenhass"?

Der Grund war Gloggers BlaA-Mail an EJPD-Vorsteherin Simonetta Sommaruga (SP) vom Freitag, . Wir zeigen hier die erste Hälfte davon. Glogger fragt die Justizministerin, ob sich denn niemand darüber aufrege, dass sich die Zahl der straffälligen Nordafrikaner dieses Jahr verdoppeln werde. Er beantwortet die Frage gleich selbst: "Niemand!" Und er fährt weiter: "Wir nehmen es als von Sommarugas Gnaden gegeben, dass die Schweiz jetzt auch aggressiven Tunesiern kostenfreien Unterschlupf plus Rundum-Betreuung bietet".

Weiter stellt Glogger deren Status als politisch Verfolgte in Frage. Er schliesst sein Mail mit den Worten: "Dank teuren Schweizer Anwälten dürfen diese Herren in Asylzentren Betreuer beflegeln. Ich frage mich: Müssen wir jeden Kriminellen aufnehmen? Oder sind wir zu träge, auch mal "Nein" zu sagen? Ohne SVP zu wählen!"

Ach, so einfach wäre das! Man sollte vielleicht wirklich mehr auf diesen Glogger hören! Einfach mal "Nein" sagen. Dann lösen sich die aus Italien eingewanderten 2'000 Menschen aus Nordafrika in Luft auf. Dann müsste man auch nicht in schnelleren Verfahren alles daran setzen - was Frau Sommaruga tut - um die Flüchtlinge raschmöglichst zurückzuführen. Das geschieht gemäss der Bundesrätin auch darum, um ein "Signal zu senden". Zusammengefasst nachzulesen zum Beispiel hier. Auch der Blick schreibt in einem Artikel, dass nur in den wenigsten Fällen von politischen Flüchtlingen ausgegangen wird (sprich: Sie werden die Schweiz wieder verlassen müssen). Die meisten fallen zudem unter das Dublin-Abkommen: Haben Sie sich in Italien bereits gemeldet, müssen sie zurück.

Gloggers Frage, ob man denn nicht mal einfach "Nein" sagen könne, erübrigt sich: Es wird "Nein" gesagt. Aber das dauert. Wir haben einen Rechtsstaat, der jedes Gesuch prüft, nicht einen "Nordafrikaner-grundsätzlich-Nein"-Staat. Wir haben dafür auch rechtliche Abkommen mit den anderen europäischen Ländern, die manche Rückführung erst ermöglichen. Und derzeit ist die Schweizer Regierung dabei, ein Rückführungsabkommen mit Tunesien auszuhandeln.

Wo kämen wir ohne Rechtsstaat hin? Die Schweiz als "Nordafrikaner-Nein-Nation" könnte sich gerade so gut in einen "Deutsche-Nein-Staat" verwandeln. Und wenn das so wäre, dann hätte man Glogger vielleicht damals an der deutschen Grenze abgewiesen, und dann könnte er heute nicht in Zürich seine BlaA-Mails schreiben.

Wir sehen: Populistische Forderungen haben durchaus ihren Reiz. Aber die Mehrheit der Schweizer ist besonnener. Mit dem Problem der kriminellen Ausländer werden wir auf rechtsstaatlichem Weg fertig. Und Gloggers Mails ertragen wir auch. Irgendwie.

Sonntag, 4. Dezember 2011

Wieder Uralt-Viech bei "Bilder des Tages"!

Wie oft muss ich es noch sagen? Man kann Franky Armee nichts vormachen, wenn es um Tiere geht. Siehe hier (alter Fuchs in den Bildern des Tages) - und hier ebenfalls (uralter Igel beim Schnügel des Tages). Das macht zwei Mal in weniger als einem Monat.

Seit gestern: Drei Mal. Es geht um diesen sportlichen Eisbären aus dem Highland Wildlife Park bei Kingussie, Schottland. Ein tolles Foto. Das fand aber nicht nur der BlaA, sondern auch die "Sun". Und zwar schon vor mehr als zwei Wochen (von wegen "Bild des Tages"). Die "Sun" suggeriert im Text auch nicht, dass das Bild heute oder gestern aufgenommen wurde.

Gut so. Schliesslich bietet der Fotograf Roy Peak das Foto seit fünf Monaten auf seiner Homepage zum Kauf an.

Vielleicht sollte das BlaA-Team mal einen Fotografen in den Zoo schicken, damit es auf den "Bilder-des-Tages"-Seiten nicht immer uralte Viecher zu bestaunen gibt.

Freitag, 2. Dezember 2011

So sieht der Gewinner aus - mit Whisky!

Der glückliche Gewinner unseres Wettbewerbs hat heute seinen Gewinn erhalten: Hier ist Thomas Benkö, BlaA-Blattmacher, mit seinem Whisky. Prost!

Vonnsinnig lustige Wortspiele

Es tut mir leid, sehr geehrte Leserschaft, aber ich muss schon wieder über die Sprache im Blick am Abend schreiben. Diesmal geht es um das Wortspiel.

Nichts gegen Wortspiele. Im Gegenteil. Aber der BlaA scheint in letzter Zeit geradezu besessen davon zu sein, Wortspiele mit den Namen von Personen zu machen. Das ist meistens weder nötig noch lustig.

Beim BlaA ist man anderer Meinung:

Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht (Humor ist immer auch ein bisschen Geschmacksache), aber ich finde das nicht so vonnsinnig lustig.

Ebenso unsinnig ist, wenn der BlaA Worte etwas aufpeppt - nur, weil jemand einen (für unser Sprachempfinden) etwas speziellen Namen trägt. Kimi Räikkönen gibt sein Comeback. Comebäkk. Räikkönen. Also ich weiss nicht. Man muss vielleicht etwas lachen, wenn man es genug oft wiederholt, aber eher nicht so, wie der Schreiber sich das wohl vorgestellt hat.

Die BlaA-Titelseite über den neuen UBS-Chef Sergio Ermotti ist nicht einmal unfreiwillig komisch. "Herr Ermotti" mutiert zu "Herr Motti". Vermutlich, damit man das Wortspiel "Herr Motti sucht das Glück" machen kann, bei welchem es sich vielleicht um eine Anspielung auf die Zeichentrick-Serie "Herr Rossi sucht das Glück" handelt. Herr Ermotti, Herr Motti, Herr Rossi: Sehr ähnlich, nicht wahr? Was das eine mit dem anderen zu tun hat, das will sich mir beim besten Willen nicht erschliessen. Herr Rossi ist, wenn ich mich recht erinnere, ein Fabrikarbeiter, kein Banker.

Den ersten Preis erhält aber nicht Herr (Er)motti, der geht an "Ueli Maurersson". Die Ikea-Jets (die Gripen-Flieger kommen aus Schweden, und die Schweizer müssen sie anscheinend selbst zusammenbauen): Das ist lustig. Aber Ueli Maurersson? Ungefähr so lustig und passend wie Ueli Überschallmaurer.

Was da noch kommen mag? Steigerungspotential ist durchaus vorhanden. "Johann-Schneider Amarsch? Wiederwahl in Gefahr!" (praktisch: nächstes Jahr ersetzbar mit "Barack Obamarsch"). Oder vielleicht: "Christoph Öbigli: Darum geht sein Sünneli unter"? Wir sind gespannt.

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Spott statt Spot für Spotify

Seit der Musik-Streaming-Dienst Spotify in der Schweiz verfügbar ist, berichtet der BlaA unermüdlich über die Plattform. "Endlich auch in der Schweiz!" - "Wir zeigen, wie der Musikdienst funktioniert", und "so rockt Spotify"- als Medienpartner hat man Produkte in den Himmel zu loben. Das Spotify-Marketing für die Schweiz und Österreich macht die Agentur Grayling.

Die Agentur hätte die im BlaA nie so wirklich als Werbung gekennzeichnete Dauer-Werbung vielleicht selber schreiben sollen (wir wollen einmal nicht allzu zynisch sein und hoffen, dass sie das nicht getan hat). Hier der BlaA vom 22. November:
Die dazugehörige Bildlegende auf der redaktionell aufgemachten Doppelseite: "Highway to hell: Auch AC/DC rocken auf Spotify".

Die Wahrheit ist aber: So rockt Spotify gerade nicht. AC/DC weigern sich, ihre Songs für den Dienst zur Verfügung zu stellen, wie Spotify selbst auf der offiziellen Homepage bedauert.

AC/DC hält rein gar nichts von digitalen Diensten - die Band ist nicht einmal bei iTunes dabei. Weil, so Gitarrist Angus Young: "Wir schreiben keine Singles, sondern Alben".

So bleibt für den grossen Werbe-Spot am Ende nur Spott übrig.


An dieser Stelle möchten wir uns herzlich bei unserem Leser bedanken, der uns geschrieben hat, wir sollen doch mal die Seiten 26/27 des BlaA vom 22.11. genauer anschauen.

Das ist der Gewinner des Whisky-Wettbewerbs!

Wir haben lange debattiert. Gestritten. Am Ende konnten wir uns auf einen Gewinner einigen.

Wie sie vielleicht wissen, haben wir im November einen Whisky-Wettbewerb lanciert: Wer bis Ende November den besten nicht-anonymen Leserbrief verfasst, erhält von uns einen Whisky.

Der Whisky ist jetzt, wo Sie diese Zeilen lesen, auf der Post. Er geht an den Verfasser dieses Leserbriefs:


Den dazugehörigen Artikel finden Sie hier.

Warum dieser Leserbrief? Nun, erstens ist er einer der wenigen nicht-anonym verfassten Leserbriefe. Und zweitens müssen wir es honorieren, wenn "boelimaa", sprich Thomas Benkö, seines Zeichens Blattmacher unserer Lieblingszeitung BlaA, uns den ersten Leserbrief überhaupt schreibt. Und uns erst noch als "aufmerksam" bezeichnet. Und uns einen wertvollen Einblick in seinen Redaktionsalltag gewährt (wir wissen zwar nicht, was es bedeutet, wenn ein "Bild noch nicht im Layout geladen ist", aber wir haben dennoch grösstes Mitgefühl).

Sehr geehrter Herr Benkö: Freuen Sie sich, Ihr Gewinn ist unterwegs. Grosse Freude hätten wir an einem Foto mit dem glücklichen Gewinner mit Gewinn in der Hand - das würden wir dann hier gerne veröffentlichen.

Prost. Und weiterhin frohes Blattmachen,
Hochachtungsvoll

Franky Armee & Mad Crawler

Mittwoch, 30. November 2011

Bilder des Tages? Fast ein Jahr alt!

Geben Sie es zu, auch Sie mögen die "Bilder des Tages"-Doppelseite im Blick am Abend. Man sitzt, zerquetscht vom Tag, vom Job, und überhaupt von allem, in Tram, S-Bahn oder in der Whisky-Bar und möchte einfach nur Bilder anschauen. Die Texte zu den Bildern interessieren meistens nicht. Hauptsache schöne Bilder.

Nur sollten die "Bilder des Tages" auch irgendwie etwas mit dem Tag zu tun haben. Darum heissen sie ja so. Es sind aktuelle Bilder, entstanden in den letzten 24 Stunden. Aktualität ist wichtig.

Oder?

Heute Mittwoch gab es bei den Bildern des Tages diesen Mäuse jagenden Fuchs zu sehen:

Ein tolles Foto. Doch als ich diesen Fuchs sah, ging es mir genau gleich wie unlängst beim Bschiss mit dem herzigen Igeli vom Schnügel des Tages: Diesen Fuchs hatte ich doch schon mal gesehen! (Sie merken: Wenn es um Tiere geht, kann man einem Franky Armee nichts vormachen).

Und ich hatte dieses Tier nicht heute oder gestern gesehen. Das war viel länger her. Was sucht ein alter Fuchs in den Bildern des Tages?

Hier sehen Sie den Beweis: Das Bild wurde im Januar oder Februar 2011 gemacht. Im Text auf der Homepage des Fotografen Richard Peters steht sogar, dass er mit der Aufnahme nicht zufrieden war. Zu unscharf, fand er am 3. Februar 2011, als er das Bild auf seiner Homepage veröffentlichte.

Der Lapsus lässt sich wohl ganz einfach erklären: Eine der vielen Foto-Agenturen, die den Blick am Abend beliefern, hatte das Bild erst heute zur Verfügung gestellt. Ein bisschen Recherche würde trotzdem nicht schaden: Das ist kein "Bild des Tages", das ist ein Foto, das bald ein Jahr alt sein wird.



"O du Fröhliche" - dank Schweizer Armee!

Seit rund einem Jahr schreibt André Blattmann, Chef der Armee, seine Kolumne "Befehlsausgabe" im Blick am Abend. So auch gestern. Die Hälfte davon sehen Sie rechts als Bild.

Zum Vergrössern Klicken
Diesmal befiehlt uns der Chef, wir sollen "darauf zurückblicken, was seit dem 7. Dezember 2010 passiert ist." Nämlich auf: "Fukushima, den Arabischen Frühling und die Eurokrise."

Logisch, dass man in derart unsicheren Zeiten die Schweizer Armee braucht. Blattmann: "Ich warne vor falschen Propheten! Es braucht eine Sicherheitsreserve wie die Armee."


Keine Angst, Herr Blattmann. Die heroischen Taten der Schweizer Armee in Fukushima, die todesmutigen Einsätze während des Arabischen Frühlings, und insbesondere der unermüdliche Kampf der Schweizer Soldaten gegen die Eurokrise: Sie alle werden in die Annalen der Geschichte eingehen.

Korpskommandant Blattmann schliesst mit den Worten: "Wir schützen Land und Leute. In diesem Sinn wünsche ich Ihnen allen eine ruhige, friedliche und frohe Adventszeit!" Verstanden, Herr Blattmann. Ja, Dank der besten Armee der Welt bleibt die Adventszeit friedlich.

Wir vom BlaABlog wünschen Ihnen, und natürlich auch unserer werten Leserschaft, ebenfalls eine ruhige, friedliche und frohe Adventszeit. Lassen Sie mich diesen Artikel mit zwei Zeilen aus dem Schweizerpsalm schliessen: "In des Himmels lichten Räumen/ kann ich froh und selig träumen!"

Dienstag, 29. November 2011

Wir müssen leider durchgreifen.

Hochverehrte Leserschaft

Bis anhin konnte jeder auf unserem BlaABlog nach Lust und Laune Leserbriefe veröffentlichen. Auch anonyme Leserinnen und Leser. Das soll auch so bleiben - aber wir müssen die Leserbriefe nun leider moderieren. Auf ein gewisses Niveau legen sogar wir wert. Und schlimme Beleidigungen an uns unbekannte Personen können wir hier auch nicht stehen lassen. Keine Angst, uns dürfen Sie weiterhin nach Lust und Laune beleidigen.

Wir möchten Sie deshalb in Zukunft um etwas Geduld bitten, bis Ihre geschätzten Briefe veröffentlicht werden.

Wir danken für Ihr Verständnis,
Hochachtungsvoll

Franky Armee und Mad Crawler

Auf einen Whisky (3. Folge)

Über das tödliche Erbe des Totalitarismus


Franky Armee und Mad Crawler - Fragen und Meinungen zu den Themen der Woche. 


Mad Crawler nippt an seinem Whisky und summt ein Lied.
Franky Armee: ...Ahrm... ahem!

Mad Crawler nimmt noch ein Schlückchen, hält sein Glas hoch und nickt anerkennend.
Franky Armee: Sagen Sie... Sagen Sie mal!

Was, Franky? Was soll ich sagen?
Na "sagen Sie mal!" Sie müssen mich das jetzt fragen, Crawler, für unser Whisky-Gespräch.

Ich sehe nicht ein, warum immer ich die Fragen stellen soll. Sie könnten doch auch mal mich etwas fragen! Ich weiss auch etwas. Viele spannende Dinge.
Sagen Sie mal, Crawler, das ist jetzt aber nicht ihr Ernst? Wir haben das doch lang und breit besprochen, wie ich das jeweils gerne hätte.

Es ist mir sogar sehr ernst! Und dieses "sagen Sie mal", dass Sie immer als Anfang des Gesprächs von mir verlangen, das kann ich nicht mehr hören. Das ist doch total bescheuert!
Jetzt reicht's aber. Wer ist hier der Chefpublizist, Sie oder ich?

Mad Crawler dreht sich beleidigt um und nimmt einen grossen Schluck Whisky.

Franky Armee: Also gut, Crawler. Meinetwegen machen wir heute eine Ausnahme. Die Fragen kennen Sie ja schon, die hab ich Ihnen wie immer bereits aufgeschrieben. Jetzt hoffe ich einfach, dass Sie auch fähig sind, darauf etwas Gescheites zu antworten...
Mad Crawler: ...jetzt reicht es aber mit den Beleidigungen! Fangen Sie schon an, oder ich geh mit jemand anderem Whisky trinken!

Jajaja... Sagen Sie mal, Mad Crawler, in Deutschland ermordete eine Gruppe von Neonazis zwischen 2000 und 2006 acht türkische und einen griechischen Einwanderer. Womöglich gibt es noch mehr Opfer. Was geht da vor?
Das ganze Land ist entsetzt. Eine unfassbare Tragödie, die...

Genau! Unglaublich auch, dass diese Terroristen einfach jahrelang unbehelligt morden konnten - und unglaublich auch das Versagen von Polizei und Verfassungsschutz. Sie sind sicher auch der Meinung, dass man - so, wie Otto Schily das ja ursprünglich wollte - die dazugehörige Partei, die NPD, verbieten sollte. Ein grosser Fehlentscheid des Verfassungsgerichts, Crawler. Überhaupt: Man schaute viel zu lange zu, wie dieses höchstrichterlich akzeptierte Schlangennest vor sich hin brütete...
...dabei gilt es insbesondere auch zu beachten...

...dass der Nazismus vor allem in der ehemaligen DDR gedeiht! Genau! Das ist, wie ich es immer wieder sage, doch nichts weiter als die logische Fortsetzung auf einen sozialistischen Unrechtsstaates - ja, die Nachgeburt des Sozialismus. Ganz genau gleich war auch der Linksterrorismus der RAF nichts weiter als eine Nachgeburt des nazistischen Totalitarismus...
...Franky...

...ja, Sie sehen das richtig, Crawler. Jede Diktatur hinterlässt Schreckliches. Das ist nicht einfach ein Spaziergang aus einem totalitären System hinaus in die Freiheit, direkt in die Demokratie. Denken Sie an Italien, oder derzeit an Ungarn...
...Franky...

...und natürlich ist eine geeichte Demokratie nie ganz frei von extremistischen Strömungen. Egal ob links oder rechts. Die extremistischen Strömungen leben von Problemen, bieten aber keine Lösungen an. Politisch bewusste Bürger aber, wenn Sie so wollen, citoyens, die suchen aber Antworten auf ihre Probleme. Denken Sie nur an...
...FRANKY! VERDAMMTNOCHMAL!


Sagen Sie mal, was ist denn in Sie gefahren, Crawler?
Sie. lassen. mich... SIE LASSEN MICH NIE AUSREDEN, KEIN WORT LASSEN SIE MICH SAGEN, CRAWLER! Ihre Ablehnung des Nationalsozialismus geht ja in Ordnung - nur Nazis lehnen das nicht ab, aber...

...eben, ich weiss deshalb auch gar nicht, wo Ihr Problem...
FRANKY ARMEE, SIE HALTEN JETZT DIE KLAPPE. Die RAF als Nachgeburt der Nazis? So einen Mist muss ich mir doch nicht anhören! Nicht, dass die in irgendeiner Form zu bewundern wären, aber das ist doch einfach kein zulässiger Vergleich, das macht überhaupt keinen Sinn. Ich hätte zu dem wichtigen Thema ganz andere Dinge angesprochen...

...nur zu, da bin ich ja mal gespannt. Sie finden sicher auch, dass das Spiel der Populisten mit den Ängsten der Bevölkerung nur auf kurze Zeit funktioniert. Ich bin da sehr zuversichtlich...
...Franky Armee, es reicht. Es ist jetzt genug. Mit mir müssen Sie nie mehr über Totalitarismus reden. Was Sie da grade betreiben ist ja nichts anderes als Totalitarismus! Das nervt mich tödlich! Aber wissen Sie was? Totalitarismus funktioniert nicht, wenn die Leute nicht mitmachen. Deshalb: Schönen Tag noch. (Mad Crawler verlässt den Raum).


Crawler... CRAWLER! Kommen Sie zurück! SOFORT! Crawler! ... Crawler! ... Crawler? ... Eine Frechheit. Dieser Crawler. Der konnte sich noch nie unterordnen.




Die Inspiration für das heutige Whisky-Gespräch haben sich Franky Armee und Mad Crawler hier bei ihren grossen Vorbildern geholt.

Montag, 28. November 2011

Sexistisch? Aber sicher doch.

Na so was, denkt man sich beim Blick am Abend. "Jetzt regen sich schon Feministinnen über uns auf". Gemeint ist dieser Blogeintrag der Journalistin, Texterin, Moderatorin, Dozentin und Kommunikationsberaterin Christine Loriol.

Loriol trifft mit ihrem Text den Nagel auf den Kopf. Wer nicht vollständig verblödet ist, der merkt das schon nach den ersten zwei Sätzen:
“Walliser Lehrerin wird Post-Chefin”…das war gestern die Schlagzeile auf der Titelseite von “Blick am Abend”. In der Tagesschau hiess die Schlagzeile zum gleichen Thema: “Erfahrene IT- und Telekom-Managerin: Susanne Ruoff neue Chefin der Post”.
Zu diskutieren gibt es nichts - der Vorwurf im BlaA-Tweet, Loriol habe vielleicht etwas gegen Lehrerinnen, ist nicht nur dümmlich, er wird in Loriols Text auch explizit verneint.

Absurd ist auch die Formulierung, es würden sich "jetzt ... schon Feministinnen" über den BlaA aufregen. Sexismus (mal schreiender, mal subtiler) gehört zum Tagesgeschäft des BlaA. Sogar wir Männer vom BlaABlog merken das.

Beispiele gibt es aus den letzten zwei Wochen zur Genüge. Eins haben wir selbst schon mal vorgeführt: Etwa die Tatsache, dass Männer (Politiker, Wirtschaftskapitäne) im BlaA einfach Männer sein dürfen, Frauen aber jeweils "schön" sind.

Mehr Beispiele gefällig? Am Donnerstag, 17. November, gabs diesen Campus-Girl-Anriss auf der Front. Kein Wort und Bild davon, dass nicht nur das "Campus-Girl", sondern auch der "Uni-Boy" auf Seite 15 (in der Rubrik "Wissen"...) zur Wahl steht.

Wenn Sie jetzt sagen, dass dafür am gleichen Tag Bradley Cooper, der neue "Sexiest Man Alive" (gemäss dem US-Heftli "People", und darum auch im BlaA) gross auf der Front steht, dann hätten Sie zwar Recht. Aber haben Sie auch den Text zu Bradley Cooper gelesen?
Klicken zum Vergrössern

Da steht:
"Wir erinnern uns gerne an seine Rollen in den wirklich sehr witzigen «Hangover»- Filmen. Er spielt sich selbst, er spielt uns, wie wir Männer gerne manchmal wären. Ein Held des Authentischen. Aber schön? Oder sexy? Die Frauenjury des «People»- Magazins hat ihn entmannt, ihn zum «Sexiest Man Alive 2011» gekürt."

Merke: Wenn Mann (also "wir", Frauen lesen den BlaA scheinbar nicht) als "schön oder sexy" angesehen wird, dann ist er nicht mehr "einer von uns" Männern. Dann wurde er - von wem wohl, Frauen einer Jury - "entmannt". Das ist, ob es den Herrschaften vom BlaA gefällt oder nicht, Sexismus in Reinform.

Man könnte noch unzählige Beispiele anfügen. Beim Sport werden männliche Sportler am liebsten in Sportbekleidung, weibliche Sportler am liebsten ohne Bekleidung gezeigt. Und mit enorm glatten Wortspielen beschrieben. Vergangene Woche zum Beispiel "erwischte" es die finnische Eiskunstläuferin Kiira Korpi "eiskalt". Aber: "nicht verlegen" reagierte sie "blitzschnell, hielt ihre Hände vor die Brüste und schenkte dem Fotografen das entwaffnendste Lachen". Hauptsache "Scharfe Kufen", oder?

Warum das so ist mit dem Sexismus beim BlaA? Man kann darüber bloss spekulieren. Einerseits hat es vielleicht inhaltliche Gründe: Wer sein täglich Brot, von oben abgesegnet, mit "Blut, Blech und Busen" verdient, kommt dem Sexismus automatisch nahe.

Andererseits spielt vielleicht auch die personelle Zusammensetzung einer Redaktion eine Rolle. Machtverhältnisse vor Ort setzen sich mit der Zeit, so ist zu vermuten, in der Alltagskultur, in den Köpfen der Schreiber fest. Im Ringier-Newsroom gibt es vier Chefredaktoren (männlich), und sämtliche Blattmacher sind Männer. Es ist einfacher, die vorhandenen Frauen in leitenden Positionen zu zählen. Es sind nach unseren Recherchen deren drei: Zwei Mal Ressort News (Blut&Blech) und einmal Lifestyle (Beauty - vorher vergessen).

Wenn der BlaA so weitermacht, darf er sich nicht wundern, wenn sich manche den typischen BlaA-Leser so vorstellen wie den "Single des Tages" vom vergangenen Freitag:


Samstag, 26. November 2011

Unsere Sprache wird immer bescheuerter

Gestern las ich im Blick am Abend die Rubrik "Beauty-Streetlook". Geschrieben nicht von einer Person, sondern von einer Webseite, die Schminkprodukte und Shampoos verherrlicht: "mygloss.ch".

Schon der Titel verursachte bei mir leichte Bauchschmerzen. In einer Schweizer Zeitung eine Rubrik mit drei englischen Wörtern zu betiteln ist schon schlimm genug. Und ganz nebenbei: das Wort "streetlook"gibt es gar nicht, das wären in korrektem Englisch zwei Worte. Übersetzen Sie das Konstrukt mal auf deutsch: "Schönheit-Strassen-Aussehen". Bescheuert! Wenn der Autor dann noch "MeinGlanz" heisst und eigentlich eine Webseite ist, versteht man, warum manche Menschen glauben, das Ende sei nahe.

Inhaltlich möchte ich mich nicht äussern. Es ging in dem Kosmetika-Text um einen Mann namens Jacques, der jeden Tag eine Stunde im Badezimmer verbringt. Aber Herrgott, die Sprache ist furchtbar.

Der Blick am Abend kann selbst nichts dafür, dass diese Dinge so heissen. Er bildet das in diesem Fall nur ab. Und macht damit (wohl unfreiwillig) auf unhaltbare Zustände aufmerksam.

Schämt sich denn niemand, der im Laden der Verkäuferin sagen muss: "Haben Sie die Garnier-Hautklar-Aktiv-Tiefen-Rein-Bürste"? Solche Wort-Ungeheuer gehören verboten. Sie sind bescheuert, sie degradieren den, der sie aussprechen muss.

Aber man kommt ja im Alltag gar nicht mehr darum herum, sich sprachlich zu erniedrigen. Schon nur, um satt zu werden. Schlimm, einen Maxi-Silber-Beefy mit Käse" bestellen zu müssen. Noch schlimmer, wenn das Ding "Double-Whopper with Cheese" heisst. Oder "McWrap Shrimp & Avocado Menu". Oder Sie wollen einfach einen guten Kaffee trinken, und müssen sagen: "Iced Shaken Caramel Frappuccino" oder "Grande Soy Vanilla Latte"

Wenn dann die Rückfrage kommt: "Mit Doubleshot Espresso" - "here or take away?" überkommt mich immer das Bedürfnis, jemanden mit der Duden-Gesamtausgabe zu erschlagen.

Freitag, 25. November 2011

SP-Präsident Christian Levrat über Gloggers Mail

Gestern stellte BlaABlog eine wichtige Frage: Schreibt Helmut-Maria Glogger seine täglichen E-Mails auf der letzten Seite des Blick am Abend bloss in die Zeitung, und schickt sie gar nicht ab? SRF-Direktor Rudolf Matter hatte auf Anfrage von BlaABlog bestätigt, dass er, obwohl im Blatt angemailt, nie ein echtes E-Mail von Glogger erhalten hatte.

Eine Frage blieb aber bestehen: Handelt es sich dabei um einen Einzelfall, oder schreibt Glogger seine E-Mails immer nur auf Papier?

Jetzt nimmt die Schweizer Politik dazu Stellung. SP-Parteipräsident Christian Levrat erhielt am 31. Oktober eine E-Mail von "Glogger mailt". Aber war es überhaupt eine E-Mail? Hatte Nationalrat Christian Levrat wirklich Post von Glogger bekommen?

Der Vorsteher der Partei, die eigentlich gerne "Ja" sagt, verneint:

Klicken zum Vergrössern

Deutlich wird: Christian Levrat bedauert, kein echtes Mail erhalten zu haben. Er könne uns "leider" bestätigen, keine Post von Helmut-Maria Glogger bekommen zu haben, und schon gar nicht auf seine E-Mail-Adresse beim Parlament. Verständlich, dass Levrat das schade findet, tritt er politisch doch für den freien Zugang zum Internet ein und hätte Herrn Glogger bestimmt gerne geantwortet.

Wir haben aufgrund unserer Recherchen viele weitere E-Mails erhalten. Der Verdacht erhärtet sich: Glogger mailt nicht. Zwar wollte sich der Schweizerische Fussballverband (Glogger, 16.11.) aus Prinzip nicht zur Korrespondenz äussern (siehe E-Mail rechts), und auf unsere Rückfrage, ob man sich denn nicht vielleicht wenigstens über nicht stattgefundene "Korrespondenzen" äussere, erhielten wir leider keine Antwort.

Der Fussball-Fanarbeiter Thomas Gander, um ein weiteres Beispiel zu nennen, war am 15. November in Gloggers "E-Mail" auf der letzten Seite des BlaA. Auch er hat keine E-Mail von Helmut-Maria Glogger bekommen (siehe Mail rechts). Aber dennoch hat er ihm zurückgeschrieben.

Was Herr Gander zurückgeschrieben hat, das wissen wir nicht. Aber es macht fast mehr Spass, sich vorzustellen, was in seiner Antwort stand. Schliesslich begann Gloggers Mail an die "Schweizer Fanarbeiter" - sicher kein einfacher, aber ein ungeheuer wichtiger Beruf - mit der Anrede "Hochverehrte Chaoten", handelte von aufgeschlitzten Sitzen in "verpinkelten" SBB-Zügen, Petarden, Messern, und davon, dass man "Dank Anwälten? Fan-Beauftragten? Politikern? Dem Presserat?" gar nicht mehr wissen könne, was man schreiben darf. "Weil Täterschutz wichtiger als Opferschutz ist".


P.S.: Herr Glogger versuchte gestern Nacht einmal mehr, Franky Armee dazu zu bringen, seine angeblich vorhandene Tarnkappe zu lüften (siehe Mailausschnitt). "Bestens gelaunt" deutete er weiter an, "stringentes Schreiben und Denken" sei bei mir nicht vorhanden.

Ich werde keine Antwort von ihm bekommen. Aber vielleicht antwortet er ja Ihnen, verehrte Leserschaft. Sie können Ihm hier eine E-Mail schreiben. Und falls er Ihnen im Gegensatz zu mir die Frage beantwortet: Ich bin unter frankyarmee [et] gmail.com erreichbar.

Donnerstag, 24. November 2011

Glogger mailt. Aber tut er das wirklich?

Das grösste Lesevergnügen bei der alltäglichen Blick-am-Abend-Lektüre ist die letzte Seite. Nicht etwa, weil der BlaA dann vorbei ist, sondern wegen einem Mann, der mehr E-Mails an Berühmt- und Berüchtigtkeiten schreibt als jeder andere Mensch der Welt: Helmut Maria Glogger.
 
 
 
 
Ein klingender Name, eine spitze Feder: Glogger schreibt mal böse, mal nett, teilt Kritik aus, aber auch Lob. Oder er geht in seinen Mails auf aktuelle Ereignisse ein. Oder auf Jazz-Musiker. Vor der Ein-Mann-Mailschleuder bleibt potentiell niemand verschont. Diesen Monat hatten wir u.a.: Den Vizepräsidenten der Rating-Agentur Moody's (böse), Florian Ast und Francine Jodie (böse), einen Schweizer Fanarbeiter (böse), den Schweizer Fussballverband (böse), einen Zürcher Polizeisprecher (lieb), Pfarrer Sieber (lieb), SRF-Direktor Rudolf Matter (durchzogen), Jörg Kachelmann (leicht bewölkt), sowie Alice Schwarzer (war wohl lieb gemeint). 

Wie schön wäre es, dachte ich mir nicht zum ersten Mal, wenn der BlaA die Antworten dieser Menschen ebenfalls abdrucken würde! Bei E-Mails geht es um Kommunikation. Sender und Empfänger treten - außer, wenn es sich nicht um Spam handelt - gerne in einen Dialog. Das ist der eigentliche Sinn der Sache. Und bei manchen Empfängern, gerade, wenn sie berühmt sind, fänden die BlaA-Leser die Antworten vielleicht sogar noch spannender als die Anfrage des Journalisten. 



Da beschlich mich ein Verdacht: Was, wenn es gar keine Empfänger gibt? Wenn Glogger zwar jeden Tag "Glogger mailt" in den Computer tippt, inklusive Betreff, Empfänger-E-Mail und Text - und das Ganze dann gar nicht abschickt, sondern nur auf Papier drucken lässt? 

BlaABlog hat nachgefragt. Neben ein paar "No Comment"-Antworten, respektive gar keinen Antworten (mit meinem Namen ist es nicht immer leicht, ernst genommen zu werden. Kollege Mad Crawler kann auch ein Lied davon singen) schrieb uns SRF-Direktor Rudolf Matter gestern gleich zurück:


Klicken zum Vergrößern
Vielleicht, dachte ich mir, hat Direktor Matter Recht! Und Helmut-Maria Glogger verwechselt einfach Print und E-Mail! Ob er seine auf Zeitungspapier gedruckten E-Mails dann wenigstens ausschneidet und brieflich verschickt? Kann ihm denn im Büro niemand beibringen, wie man E-Mails versendet? (Oder vielleicht sogar, in einem zweiten Schritt, wie man bloggt? Helmut-Maria Blogger wär ein toller Titel. Also ich würde das lesen). 

Eine dieser vielen Fragen beantwortete sich umgehend: Noch bevor ich auch Herrn Glogger fragen konnte, ob er denn seine Mails gar nicht abschickt, hatte er mir schon selbst ein E-Mail geschrieben (eine meiner Anfragen wurde scheinbar zuvor an den Schweizer E-Mail-Papst weitergeleitet). 
Hier Gloggers Mail: 


Und hier meine Antwort:



Im weiteren Mailverkehr wurde Glogger nicht müde, zu versuchen, die angeblich wahre Person hinter Franky Armee herauszulocken: 

Zugegeben, vielleicht hätte ich darauf nicht antworten sollen, dass ich es für ebenso intelligent halte, einem Unbekannten all seine Ersparnisse zu leihen, wie einem Boulevard-Profi zu vertrauen. Und dass das nicht böse gemeint, aber nun mal so sei. Die Antwort von Glogger kam postwendend: 

Wie Recht der Mann doch immer hat. Fingern ist einfach, schreiben ist schwer. (Wobei, auch Fingern will gelernt sein, aber das gehört nicht hierher). Nur bringt uns das alles bei unserer eigentlichen Frage nicht weiter: Mailt Glogger jetzt seine BlaA-Mails gar nie, oder zwischendurch doch mal? Leserbriefe oder andere sachdienliche Hinweise sind wie immer sehr willkommen. Und: Wir bleiben dran.